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Kirchenwahl 2009 in Hessen und Nassau

Portraits ehemaliger Kirchenvorstände

Fritz Schwarz, Allendorf/Eder
Fritz Schwarz„Das Wort Gottes hat mir immer viel gegeben“. Zufrieden blickt Fritz Schwarz auf seine Zeit im Kirchenvorstand zurück. 1963 wurde er „als jüngstes Mitglied“ gewählt, nun zieht er sich aus der Arbeit zurück. Nicht, weil es ihm keinen Spaß mehr machen würde, vielmehr sind „45 Jahre einfach genug“, wie der rüstige Rentner zugibt. Dabei hat Fritz Schwarz viel erlebt. Es ist ein Leben für die Kirche. 1931 in Heiligenwalde in der Nähe von Königsberg geboren, kam er 1945 nach Allendorf. Dort suchte er sofort Anschluss an die evangelische Jugend, engagiert sich im CVJM und im Posaunenchor und im Kindergottesdienst, den er 30 Jahre lang in den Orten Battenfeld, Allendorf und Rennertehausen hielt. Ab 1961 war er Mitglied in der Dekanatssynode des Dekanates Biedenkopf und traf damit grundlegende Entscheidungen über die kirchliche Arbeit in den Gemeinden des Dekanates. 1979 wurde Fritz Schwarz als Vorsitzender der Synode gewählt, dieses Amt führte er bis 2003 aus. In diese Zeit fielen viele wichtige Entscheidungen, die Fritz Schwarz begleitete. So wurde das „Facettenkreuz“ – das Logo der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau – eingeführt, wozu er eine Meditation schrieb und einen Bausatz gestaltete. „Als Modellschreiner habe ich das Facettenkreuz aus Holz nachgebaut und zum Kauf angeboten, es hängt nun in vielen Gemeindehäusern und Kirchen“, erzählt Fritz Schwarz, der 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz und der silbernen Ehrennadel der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ausgezeichnet wurde. Aber auch die Allendorfer Kirche lag ihm sehr am Herzen. Sie hat er mitgebaut, was „eine wichtige Aufgabe war“ und ihn „sehr geprägt hat.“
In seiner Zeit als Kirchenvorstand und Präses war dem zweifachen Vater der Kontakt zu den Pfarrern im Dekanat wichtig. Besonders die persönlichen Begegnungen haben ihn sehr geprägt. Langweilig wurde es Fritz Schwarz dabei nie „Ich habe meine Arbeit immer sehr gerne gemacht. Ich wusste, das ich was vernünftiges tue. Es ist eine Arbeit, die sich im Reich Gottes lohnt, die etwas ausrichtet, wo man etwas bewegen kann.“ Lächelnd fügte er hinzu „Ich war so oft fort. Meine Frau brauchte immer sehr viel Verständnis“.   
Auch wenn Fritz Schwarz am 21. Juni nicht mehr für den Kirchenvorstand kandidiert, ist es ihm wichtig, dass möglichst viele Gemeindemitglieder zur Wahl gehen. „Die Menschen können sich selbst Gedanken machen und mitbestimmen, wer das Geschick der Gemeinde bestimmt. Das ist wirkliche Demokratie.“

Ruth Kastner, Biedenkopf
Ruth Kastner„Christlicher Glaube ist ein wichtiges Element in meinem Leben.“ Ruth Kastner aus Biedenkopf erzählt begeistert von ihren Erfahrungen mit Gott. Die dreifache Mutter ist in einem christlich geprägten Elternhaus aufgewachsen, ihr Vater war Kirchenvorsteher in Erdhausen. So kam sie bereits früh mit der christlichen Religion in Kontakt. „Ich war im Kinderkreis und der Jugendstunde, später wurde ich in Gladenbach konfirmiert.“ Schmunzelnd fügt sie hinzu: „dann habe ich sogar einen Pfarrerssohn geheiratet.“ Für Ruth Kastner war es deshalb selbstverständlich, etwas von dem eigenen Glauben weiterzugeben. „Als mich 1991 unser ehemaliger Pfarrer gefragt hat, ob ich für den Kirchenvorstand kandidieren will, habe ich spontan `Ja` gesagt“. Diesen Entschluss hat Kastner nie bereut, auch wenn das Amt nicht immer leicht war, wie sie berichtet „In der Zeit gab es mehrere Pfarrwechsel, auch standen wichtige Entscheidungen für die Kirchengemeinde an.“ So wurde diskutiert, ob Homosexuelle in der Kirche gesegnet werden können, auch habe man in der Kirchengemeinde ein eigenes Leitbild entwickelt. Diese Diskussionen haben die gelernte Krankengymnastin immer sehr gefordert, aber auch großen Spaß gemacht. „Ich fand es immer spannend zu überlegen: Wo wollen wir hin, was wollen wir angehen?“. Aber auch der Kontakt zu den einzelnen Menschen war für sie bedeutend.

Für den neuen Kirchenvorstand, der am 21. Juni auf dem Gebiet der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gewählt wird, lässt sich Ruth Kastner nicht mehr aufstellen. Diese Entscheidung sei ihr sehr schwer gefallen. „Nach 18 Jahren Kirchenvorstand wird man etwas betriebsblind für eventuelle Probleme, auch will ich mich verstärkt im Besuchsdienst engagieren“, erzählt Kastner. Doch auch andere Gründe bewegten die Ehefrau eines Arztes zu ihrem freiwilligen Rückzug, den sie selbst nicht als Rückzug aus der Gemeinde sieht. „Wenn die älteren nicht Platz machen, können die jüngeren nicht gewählt werden. Und das fände ich schade. Es ist notwendig, dass junge Menschen mit neuen Ideen auch in der Kirchengemeinde Verantwortung übernehmen.“ Für die Rentnerin ist es selbstverständlich, dass sie am 21. Juni zur Wahl geht. „Das Wahlrecht ist für mich ein ganz entscheidendes Recht. Ich habe die Freiheit mich für etwas zu entscheiden und kann durch die Wahl das kirchliche Leben vor Ort mitgestalten. Hinterher nörgeln kann jeder.“

Doris Geise, Bromskirchen
Doris GeiseDoris Geise arbeitet seit 33 Jahren im Kirchenvorstand ihres Heimatortes mit. Nun will sie ihren Platz freimachen und anderen engagierten Christen die Möglichkeit geben, Kirchengemeinde vor Ort aktiv zu gestalten. „Ich habe die Arbeit immer sehr gerne gemacht. Lang-sam ist es aber an der Zeit, dass auch andere ihre Erfahrungen einbringen“, erzählt Geise lächelnd. Neben ihrer Tätigkeit als Kirchenvorsteherin war die gelernte kaufmännische Angestellte auch sonst in der Gemeinde sehr aktiv. Über 30 Jahre hat sie im Kindergottesdienst mitgearbeitet, von 1971 bis 2004 war sie Pfarrsekretärin und prägte das Leben der Kirchengemeinde entscheidend mit. Deshalb war es für sie selbstverständlich, etwas von dem eigenen Glauben weiterzugeben. Diese Entscheidung hat die zweifache Mutter nie bereut, zumal die Verbindung von Pfarramt und Kirchenvorstand viele Vorteile mit sich brachte. „Ich konnte immer zwischen beiden vermitteln. Viele Entscheidungen sind so leichter gefallen“, erzählt Geise. Dabei war das Amt nicht immer leicht. Besonders die Zeiten, als die Pfarrstelle nicht besetzt war, forderte den Kirchenvorstand besonders heraus. Doch auch hier gab es Momente, die Mut machten. So erinnert sich Doris Geise gerne an den Zusammenhalt in der Kirchengemeinde: „Jeder konnte sich auf den anderen verlas-sen. Wir erfuhren eine besondere Gemeinschaft."

Damit die Entscheidungen des Kirchenvorstandes auch zukünftig auf einer breiten Basis stehen, wünscht sich die ehemalige Pfarramtssekretärin eine hohe Wahlbeteiligung. "Der Kirchenvorstand hat gegenüber den Gemeindegliedern eine hohe Verantwortung. Er entlastet den Pfarrer und ist Ansprechpartner für alle Belange. Durch die Wahl können die Menschen mitbestimmen, wer diese Aufgabe übernehmen soll“ Deshalb erhofft sich Doris Geise, dass jedes Gemeindemitglied zur Wahl geht und seine Stimme einbringt. Sie ist überzeugt: „Dieses Recht und diese Pflicht sollte jede und jeder für sich in Anspruch nehmen.“

Dr. med Heinz Kuhl, Runzhausen
Dr. Heinz KuhlHeinz Kuhl arbeitet seit 30 Jahren im Kirchenvorstand seines Heimatortes mit. Nun will er seinen Platz freimachen und jüngeren, engagierten Christen die Möglichkeit geben, Kirchengemeinde vor Ort aktiv zu gestallten. „Ich war damals 25 Jahre alt, als ich mich zum ersten Mal als Kandidat für die KV-Wahl aufstellen ließ“, berichtet der zweifache Vater. „Ich wollte die etablierten, für mich erstarrten Abläufe im Gemeindeleben verändern und neue, jugendliche Ideen einbringen.“ Für ihn war es wichtig, den Glauben offensiv nach außen zu tragen und möglichst viele für eine christliche, kirchliche Gemeinschaft zu begeistern. Dabei schlug das Herz von Heinz Kuhl immer für den Gemeindeaufbau. „Ich wollte den Menschen in unserer Gemeinde evangelische Glaubenselemente vermitteln.", so Kuhl. Schmunzelnd gibt er zu: "Der Finanzhaushalt war nie mein Ding."

Für den promovierten Mediziner waren die Vakanzzeiten in den Gemeinden Runzhausen, Bellnhausen und Rachelshausen immer eine große Herausforderung. Die Arbeit in der Gemeinde lag allein beim Kirchenvorstand. Doch auch hier gab es Momente, die Mut machten. So erinnert er sich gerne an den Zusammenhalt in der Kirchengemeinde: „Jeder konnte sich auf den anderen verlassen. Wir erfuhren eine besondere Gemeinschaft, die jeden einzelnen getragen hat. Es war schön und bereichernd, das zu erleben."

Für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin im Amt des Kirchenvorstehers wünscht sich der gebürtige Runzhäuser den gleichen Elan und die gleiche Begeisterung „die mich vor 30 Jahren dazu bewogen haben, mich als Kandidat für die KV-Wahl aufstellen zu lassen“, auch würde er sich freuen, wenn aus Runzhausen „mal wieder eine Frau in den Kirchenvorstand gewählt wird“.

Damit die Entscheidungen des Kirchenvorstandes auch zukünftig auf einer breiten Basis stehen, wünscht sich der praktizierende Urologe eine große Wahlbeteiligung. "Evangelische Gemeinde ist Basisdemokratie im ursprünglichen Sinn. Alle Vertreter werden gewählt und nicht ernannt.“ Deshalb erhofft sich der Arzt , dass jedes Gemeindemitglied zur Wahl geht und seine Stimme einbringt. Kuhl ist überzeugt: „Dieses Recht und diese Pflicht sollte jede und jeder für sich in Anspruch nehmen.“

Karl-Heinz Breidenstein, Hartenrod
Karl-Heinz Breidenstein„Jeder hat verschiedene Gaben. Meine sind Musikmachen und bauen.“ Karl-Heinz Breidenstein ist seit 40 Jahren Mitglied im Kirchenvorstand von Hartenrod. In einem christlich geprägten Elternhaus aufgewachsen, engagierte er sich schon früh in der Kirchengemeinde. „Als sechzehnjähriger bin ich den Posaunenchor eingetreten, den ich seit über 30 Jahren stellvertretend für den Dekantskantor Hartmut Koch leite, wenn er verhindert ist“ so der dreifache Vater „dadurch hatte ich eine enge Verbindung zur Kirche. Auch singe ich seit 40 Jahren im Kirchenchor.“ Als 1969 im Kirchenvorstand von Hartenrod ein Platz frei wurde „hat mich der Pfarrer gefragt, ob ich mitmachen möchte. Ich habe das zuhause besprochen und dann zugesagt“, so Breidenstein. Seine Zeit im Kirchenvorstand hat ihm immer sehr viel Spaß gemacht, auch wenn „früher die Sitzungen oft bis 23 Uhr gingen“, wie der Rentner schmunzelnd betont. Für den ehemaligen Mitarbeiter in einem Baugeschäft war diese Arbeit für die Kirchengemeinde immer eine Herzensangelegenheit. „Ich wollte etwas tun und mich einbringen. Der Glaube war mir immer wichtig dabei. Ohne Glauben geht es nicht.“

Auch wenn Karl-Heinz Breidenstein nie „im Mittelpunkt stehen“ wollte und „gar nicht darauf besessen war, Entscheidungen durchzusetzen“, so hat er doch viel in seinem Dorf bewegt. Als Mitglied im Bauausschuss der Kirchengemeinde konnte er seine beruflichen Erfahrungen einbringen und auch selbst tatkräftig mithelfen. „Als wir das Gemeindehaus umgebaut haben, war ich gerade Rentner. Dann bin ich halt nicht mehr zur Arbeit gegangen, sondern habe direkt dort mit angepackt. Das hat mir den beruflichen Ausstieg sehr erleichtert“, berichtet der 73-jährige.

Bei der Kirchenvorstandswahl an diesem Sonntag steht Karl-Heinz Breidenstein nicht mehr auf der Liste. Diese Entscheidung ist ihm schwer gefallen, trotzdem ist es für ihn „endlich an der Zeit, das auch jüngere eine Chance haben, sich in der Kirche einzubringen. Ich bin schon am längsten dabei.“ Breidenstein betont, dass der Rückzug aus der Gremienarbeit für ihn kein Rückzug aus der Gemeinde ist. „Ich möchte auch weiterhin meine Kraft und Fähigkeiten einbringen, solange mir Gott die Gesundheit schenkt.“ Auch wenn er selbst nicht mehr zur Wahl steht, geht der rüstige Rentner am Sonntag wählen. „Ich kann mit entscheiden, wer zukünftig die Kirchengemeinde leitet. Das ist eine wichtige Aufgabe und ein Vertrauensposten. Wenn ich schon Mitglied bin, dann will ich auch wissen, was geschieht.“

Text und Fotos: Jörn Rimbach, Öffentlichkeitsarbeit der Dekanate Biedenkopf und Gladenbach